Tante Djinka




Seit 2014 immer wieder zu Besuch ... Hundetante Djinka

      

Als wir 2015 wieder nach Bulgarien kamen und nach ein paar Tagen Djinka wieder bei uns auftauchte, waren wir entsetzt. Sie war in einem erschreckenden Zustand. Sie konnte kaum laufen. War völlig abgemagert und hatte kaum noch Muskeln. Dabei ist sie ein junger Hund und war letztes Jahr noch topfit. Die Roma Familie bei der sie lebt hat sich eigentlich auch immer gut um sie gekümmert. So weit wir das sagen können. Doch nun müssen sie sie schon eine lange Zeit an der Kette gehabt haben. Auch ihre Krallen waren ganz lang. Wir haben dann später erfahren, dass Nikolaj, der Romajunge, dem sie gehört, wohl Anfang des Jahres in ein Kinderheim musste. Naja, auch wenn uns Djinkas Anblick nicht nur traurig sondern auch sehr wütend gemacht hat, müssen wir uns beherrschen, um mit unserem Urteil nicht so hart zu sein. Wir kennen ihre Familie. Sie sind in Ordnung. Aber sie sind sehr, sehr arm. Sie haben oft genug selbst nichts zu essen und sind auf fremde Hilfe in Form von Lebensmitteln und Kleidung angewiesen. Ausserdem versuchen unsere Nachbarn und auch wir Nenka, Nikolajs Mutter, immer wieder kleine Jobs zu geben, dass sie sich etwas Geld verdienen kann. Wenn Nikolaj, den Djinka immer begleitet hat und bei dem sie auch stets frei war, wirklich in ein Heim musste, dann war Nenka sicherlich mit Kindern und Hund überfordert. Ihr Mann hat sich schon lange aus dem Staub gemacht und sie und die Kinder sich selbst überlassen.

Als wir im Juni wieder ins Dorf kamen, muss sie Djinka wohl freigelassen haben. Jetzt, nach ein paar Wochen, viel Schlaf, gutem Futter und viel tierärztlicher Zuwendung durch Tamara und nicht zuletzt einigem an Training durch Spaziergänge, Rudeltoben und Welpengerangel, ist Djinka wieder ganz die Alte. Sie ist immer noch die meiste Zeit bei uns. Auch nachts. Nur wenn jemand aus ihrer Familie am Tor vorbei läuft, dann will sie raus und rennt zu Ihnen. 

     


Tante Djinka oder ein kleines Dorfprojekt:

Gestern konnten wir mit Unterstützung unseres kleinen Dorfes und unseres engagierten Tierarztes (Momchil Dobrev) Djinka kastrieren lassen. Sie gehört ja eigentlich Nikolaj, dem Romajungen aus der Nachbarschaft, verbringt aber die meiste Zeit bei uns. Das heißt, sie frisst bei uns, schläft bei uns, geht mit uns spazieren, spielt mit unseren Hunden im Garten und kümmert sich rührend um die immer wieder neu ankommenden Welpen. Und wann immer sie will, geht sie streunern oder nach Hause zu ihren Leuten. Juliet hat bei der Familie um Erlaubnis für die OP gefragt und die Ausländer im Dorf haben nach einem kleinen Spendenaufruf sofort das Geld für die OP zusammengelegt. Momchil hat uns dann wieder einen guten Preis sogar inkl. Transport in seine Klinik gemacht und Michael und ich haben alles organisiert. Jetzt kann sie bei uns Ihren Rausch ausschlafen und hat ein trockenes, warmes Plätzchen im Haus. Bald ist alles wieder verheilt und sie wird nicht noch mehr Welpen bekommen, die dann auch wieder kein Zuhause hätten....sofern man sie überhaupt überleben lassen würde.


     

Alles gut überstanden. Unserer Tante Djinka geht's blendend.
Irgendwie ist sie längst wie einer unserer Hunde. Aber irgendwie auch nicht.
Sie lebt bei uns, schläft bei uns, frisst bei uns, geht mit uns spazieren und wann immer sie kommt, findet sie bei uns einen sicheren Platz. Aber immer wenn sie möchte, kann sie auch gehen. Und das tut sie auch. Jeden Tag stromert sie alleine durchs Dorf und geht auch immer wieder zu ihren Leuten.