Phoebe

Eingetauscht: 15.10.2016


Könnte mich bitte mal jemand kneifen. Denn ich werde das Gefühl nicht los, dass das hier alles nur ein skurriler und makaberer Traum ist.

Aber ich fange vielleicht mal vorne an.

Gestern war ich mit Mila unterwegs, um den Hund und die Katzen unserer Nachbarn zu füttern, weil sie gerade ein paar Tage weg sind. Unterwegs sehe ich einen Jagdhund, der ziemlich erschöpft und dünn aussah. Ich habe ihm ein paar Leckerlies gegeben, ihn an die Leine genommen und wollte ihn erst einmal in unserem Stall unterbringen, bis sich der Besitzer oder eine andere Lösung findet. Hier in Bulgarien hat Anfang Oktober die Jagdsaison begonnen und am Wochenende sind die Jäger mit ihren Hunden unterwegs. Da wird auch schon mal einer im Wald zurück gelassen, wenn er es nicht mehr "bringt".

Nach nur ein paar Metern mit mir, ist der arme Kerl zusammengebrochen und konnte nicht mehr weiterlaufen. Also habe ich ihn nach Hause getragen. Dort gab es erst einmal lecker Dosenfutter, "Kanichen" von Ulli und Kai, eine Entwurmung und ein Spot-On gegen Flöhe. Wir wollten ja nicht, dass er uns Parasiten einschleppt. Und ein schickes neues Halsband gab's gleich auch noch.

Was sollte ich nun tun? Dies ist ein echt kleines Dorf, jeder kennt hier jeden und irgendwie weiß auch jeder alles über jeden. Mal mehr mal weniger wahr... da kann ich nicht einfach einen "Gebrauchshund" klauen. Das spricht sich rum und wir sind auf ein gutes Verhältnis zu den Leuten angewiesen.

Also beschloss ich, mir einen Spickzettel zu schreiben und den benachbarten Jäger zu fragen, ob er weiß, wem der Hund gehört und ob der Besitzer ihn Michael und mir überlassen würde. Er wäre wegen der schlechten Beine ohnehin nicht gut für die Jagd. So meine wasserdichte Argumentation. 

Gesagt, getan.

Dann ging alles blitzschnell.

Der Nachbar liest meine Anfrage auf Bulgarisch, schaut sich den Hund an, ruft seinen Jägerkumpel an, der seinen Jagdhund schon sehr vermisst. Ich frage, ob er ihn mir überlässt... mal sehen. 

Keine 3 Min. später fährt ein klappriger Mercedes vor. Der Fahrer freut sich seinen Hund wiederzusehen - mit dem neuen Halsband. Wie er mir versichert war er wirklich nur erschöpft, weil er kilometerweit alleine zurück ins Dorf gelaufen ist. Das neue Halsband wollte mir Kosta, so der Name des Jägers, gleich zurückgeben. Als ich aber verneinte und sagte, er solle es behalten, bot er mir quasi als Ausgleich eine halbstarke Hündin in die Hand, die bei ihm im Kofferraum saß. Den Rüden wolle er mir auf keinen Fall überlassen aber ich könnte die Kleine haben. Eh ich überhaupt blinzeln konnte, hatte ich schon die Hündin auf dem Arm und er fuhr mit dem Rüden weg.

Ich stehe noch ein wenig unter Schock, weil ich den einen Hund verloren habe und bin aber auf eine merkwürdige Weise froh, das Mädchen hier zu haben, das als Jagdhund wahrscheinlich nicht so recht taugt und deshalb auch eine fragwürdige Zukunft gehabt hätte. Jetzt hat Phoebe, wie wir sie getauft haben, bei uns ihr "Fürimmerzuhause" gefunden.


"Old Faithful" 


Phoebe



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