Kleine Chronik unserer rollenden Spritschlucker


Nachdem wir uns 1994 auf unserer ersten gemeinsamen Reise nach Nepal noch als Backpacker mit völlig überladenen Rucksäcken herumgeplagt hatten, waren wir uns einig, daß wir für kommende Reisen entweder unser Gepäck drastisch reduzieren müssten - denn jünger wird man ja bekanntlich auch nicht - oder ... wir behalten unsere Sachen und lassen uns einfach ein bischen beim Tragen helfen.

Wer uns kennt, weiß, daß wir dazu neigen ab und zu ein bischen übers Ziel hinauszuschießen. :-))

Schon während unserer ersten Nepalreise wuchs in uns ein großen Traum: einmal auf dem Landweg bis hierher zu reisen und Nepal und Indien auf diese Art zu erkunden.

Zurück zu Hause kauften wir kurzerhand mit der Unterstützung von Michaels Eltern unser erstes Reisefahrzeug, von dem wir glaubten, es wäre mit Leichtigkeit in der Lage uns und unser Reisegepäck einfach überall hin zu befördern.

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IFA W50

Die Lösung unserer Backpacker-Sehnsüchte hieß IFA W50. Ex-DDR Gut, in einwandfreiem Zustand, absolut geländetauglich und unverwüstlich. Mit hermetisch abzudichtendem GFK Kofferaufbau, ballonbereift mit Reifenfüll- und Waatanlage, 125 PS starkem 5,6 Liter Vierzylinder Saugdiesel, 85 km/h schnell (!) und bis zu 7,5 t schwer.

Und bei aller Liebe zum Sound hämmernder Einzylinder und blubbernder V-Motoren - der ungefilterte Donner dieses riesigen Vierzylinders ist einfach urgewaltig. Unsere Nachbarn würden dies bestimmt noch bestätigen.

Wenn da nur nicht immer diese Parkplatzsuche gewesen wäre...

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Kawasaki Estrella 250 (Baujahr '96) und Honda CB 750 "Sevenfifty" (Baujahr '96)

          

Ebenfalls auf unserer ersten Reise nach Nepal wurde ich vom Motorrad-Virus befallen. Meine erste eigene Fahr-Erfahrung machte ich dabei auf einer gemieteten Enfield Bullet 500. Auf Motorrädern mitgefahren war ich bereits schon früher als Kind. Das Erlebnis in Nepal als TaMaras Sozius war aber etwas ganz anderes. Als halbwüchsiger Mitfahrer sieht man im Normalfall ja nur den Rücken des Fahrers vor sich - in meinem Fall den meines Onkels oder meines Patenonkels - und ist so meist gezwungen zur Seite zu schauen. Zudem konnte ich mich immer gut und sicher am Nierengurt meiner Chauffeure festhalten.
Es war daher schon ein Erlebnis der besonderen Art, aufgrund des Größenunterschieds zwischen TaMara und mir, nun plötzlich freie Sicht nach vorne auf Nepals Straßen zu genießen. Das Gefühl im Freiflug, ohne Möglichkeit Bremsen oder Lenker zu erreichen, riesigen Schlaglöchern und Haken schlagenden Rikschas auszuweichen, muss man wahrscheinlich selbst erlebt haben, um die Ängste nachfühlen zu können, die ich dabei empfand.
Das Ergebnis meiner ersten Enfield Fahrstunden war dann aber durchweg positiv und machte mir Lust auf mehr. Auch TaMara hatte Blut geleckt und wollte zu Hause wieder Motorrad fahren. Sie hatte ihren Führerschein, im Gegensatz zu mir, klugerweise gleich zusammen mit dem Autoführerschein gemacht und besaß von früher auch schon etwas Fahrerfahrung mit ihrer 200er Vespa. Ich dagegen musste erst nochmal auf die Schulbank.
Kaum geschafft ging es schon bald mit unseren nagelneuen Schätzchen auf die erste Urlaubsreise in die Alpen - mit immerhin 51 PS (zusammen!! - Stufenführerschein sei Dank).


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KTM Lc4 620 LsE Enduro (Baujahr `97) und KTM Lc4 640 Adventure R (Baujahr '99)


Mit jeweils 50 PS kamen schließlich unsere aktuellen Moppeds zu uns. Da uns das Reisen auf zwei Rädern immer größeren Spaß machte, Kawasakis Estralla sich aber nicht unbedingt gut für den Gepäcktransport eignete und wir Beide auch nicht gerne das Chrom unserer Maschinen wienern, musste Rustikaleres und Reisetauglicheres Material her.
Unsere Wahl fiel bald auf KTM. Für mich als Rallye Dakar Fan war die Probefahrt auf der hohen, wüstentauglichen Adventure nach nur 5 Minuten erledigt - "Die Isses! MUSS ich haben!" Und auch TaMara fand bei KTM mit ihrer LowSeatEdition die Hardenduro in passender Größe.
Unsere erste große Tour führte uns dann 1999 für 6 Wochen durch England und Schottland. Danach hatte uns das Motorrad-Reise-Fieber entgültig gepackt. Schließlich verkauften wir den IFA und beschlossen eines Tages "Unsere Große Reise" auf Motorrädern zu unternehmen.

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VW 1200 Käfer (Baujahr '79)

Motorräder und Hunde! Schwierig, wenn sie Dir vors Vorderrad rennen oder hinter Dir her sind und auch nicht ganz einfach, wenn man den Eigenen mitnehmen möchte. In unserem Fall waren es sogar zwei. Nämlich unsere beiden betagten (Labor-) Beagle-Damen Maus und Biene. Die vorläufige Transportlösung kam in Form eines 70er Jahre kloschüsselgrünen VW Käfers als Geschenk dreier Freunde aus Hannover.

Unsere beiden Pracht-Beagle gibt es nun leider nicht mehr. Ihr Käfer dient uns aber immer noch als Hundetransporter oder für den täglichen Weg zur Arbeit. Wenn sich auch die Farbgebung anläßlich der Herbie-Parade 2005 in Berlin etwas geändert hat.

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Käfer fahren macht uns auch heute noch Spaß. Doch unsere Leidenschaft gilt dem Motorradfahren. Und so war der Wunsch nach einem Beiwagen fürs Motorrad nicht fern. Denn ohne Hunde zu sein kam und kommt für uns nicht in Frage.

Aber Motorradgespanne sind eine teure Sache und da wir die "Große Reise" noch immer vorhaben und Olivia und Fussel uns begleiten sollen, wollten wir es gleich richtig machen - ohne kostspielige Zwischenlösungen. Wir fanden dann in Horst Ulrich einen erfahrenen Gespannbauer, der es schaffte, nach unseren Vorstellungen und Wünschen, ein fernreisetaugliches Gespann um uns und unsere Hunde herum auf seine drei Räder zu stellen.

Jetzt können wir endlich mit unseren Vierbeinern Mopped fahren.


Horst Ulrich KTM LC8 Gespann für Fernreisen mit KTM V-Zweizylinder


Basis: KTM LC8 950 Supermoto

  • Baujahr: 2006

  • KM bei Kauf: 0 km

  • KM vor Umbau: ca. 1500 km

  • Baubeginn: April 2007

  • Übergabe: August 2007

  • Bauzeit: ca. 4 Monate

  • Leergewicht: ?

  • zul. Gesamtgewicht: 650 kg

  • Reifen rundum: 195/80 R15

  • Räder: Smart Stahlfelgen

  • Stoßdämpfer: Öhlins

  • Auspuffanlage: Acrapovic

  • Benzintanks: Alu-Sauer

  • Tankinhalt Haupttank: ca. 33 Liter

  • Tankinhalt Seitenwagen: ca. 40 Liter

  • Sitzkiste: Zarges

  • Alu-Seitenkoffer: Bernd Tesch

  • Andere Alukoffer: RMS


Unsere Entscheidung für KTM als Gespann-Basis fiel aus verschiedenen Gründen:

  1. ALLE rieten uns davon ab

  2. Wir fahren seit Jahren KTM und mögen unsere Bikes und die überschaubare Technik

  3. Die 950er nutzt noch Vergaser und kommt selbst noch mit 80 Oktan zurecht

  4. Der Motor besitzt Wasserkühlung und ist mit 98 PS stark genug für ein Gespann dieser Größe

  5. Er baut außerdem sehr schmal und lässt Platz für einen großen Beiwagen

  6. Die Bremsen der Supermoto sind extrem... und stark genug, um sogar unser Dreirad spielend zu verzögern


...und bis heute haben wir unsere Wahl nicht bereut.