Kloster Dobrac


Nach 2 1/2 Wochen im Kloster der "Spirituellen Weggemeinschaft" in Shkoder sind wir noch immer in Albanien - allerdings können wir nun schon über den Ohridsee nach Mazedonien schauen. Hier finden wir endlich die Zeit, ein wenig von unserem Aufenthalt im Kloster zu berichten.

Nach unserer Ankunft am 11.07.2013 wurden wir sogleich im Gästezimmer einquartiert und auch direkt ins Klosterleben integriert. Die beiden Schwestern Christina und Michaela, die den Laden schmeißen sind unglaublich herzlich, gastfreundlich und erfrischend weltoffen. Außerdem sind hier noch 30 albanische Mitarbeiter beschäftigt.


    




Spritztour mit Abraham und Leandro



Neben der Verbrennungsambulanz und der Versorgung physiotherapeutischer Patienten, schneiden
wir auch die Klosterhecke, kochen oder spülen ab, helfen die Pflegekinder und die Jungendlichen im
Zentrum zu bespaßen, behandeln 2- und 4- beinige Klosterbewohner und noch einiges mehr.



Antonio ist zur Zeit der jüngste Klosterbewohner.
Zwar ist er schon 2 1/2 Jahre alt aber in seiner Entwicklung deutlich zurück - der süße Kerl.
Er ist nun seit etwa 4 Wochen im Kloster und hat bereits jetzt riesen Fortschritte gemacht.


    
Bei so schlimmem Katzenschnupfen dauert es lange bis die Augen endlich sauber sind


    
Gut dass es so heiß war bei der Gartenarbeit - da haben sich die Schlangen wohl ein kühleres Plätzchen gesucht



    
Heinz und Hugo kamen mit einem Hilfstransport aus der Schweiz. Die Mitarbeiter und wir helfen beim Entladen




    
    





  

Wasserspiele im Qendra mit den Jungendlichen


Letzte Woche stand dann auch noch die Kuh von Sokol, einem Mitarbeiter, auf dem Plan, weil sie nicht trächtig werden will und dann bekamen die Schwestern auch noch einen Schafbock geschenkt. Die Eingangsuntersuchung von Luigi verlief sehr gut ;-)


    

    







Aber auch den menschlichen Patienten hier macht es nichts aus, dass ich nur Tierarzt bin. Ich kann Verbände wechseln und Ohren untersuchen, osteopathische Behandlungen machen, Globuli verteilen, ... was eben so anfällt.



Unser einziges Bild aus der Ambulanz (wir wollten die Patienten mit der Kamera nicht belästigen).
Aber diese knuddelige Patientin hat sich über ein Abschiedsfoto mit Pranvera und mir sehr gefreut.



Auch letzte Woche hatte ich dann noch meine Premiere als Clown vor total fremden Publikum. 40 kleine Albaner im Alter zwischen 3 und 6 Jahren haben die Clowns im angegliederten Kindergarten mit Spannung erwartet und ich habe nicht gekniffen (!)... Johannes, einer der Erzieher war mein Partnerclown und zusammen haben wir die Hütte gerockt. Am Tag zuvor war der Clown in der Gruppe der von Blutrache betroffenen Jungs, wo wir frei improvisiert haben. Letztlich sah das so aus, dass wir uns dann als Clowns mehr oder weniger mit Sitzkissen verprügelt haben. So konnten sie mal richtig Dampf ablassen.

Diesen Montag war ich zur wöchentlichen Mitarbeiterschulung dabei und wir haben ein paar Übungen aus dem Clownseminar gemacht. Die Cafe's und die damit verbundenen Rollenspiele machen Spaß und schulen ohne Worte. So konnte auch ich mitspielen, obwohl ich erst ein paar Brocken albanisch spreche. Ich bin wirklich froh, das eine oder andere aus meinen Fortbildungen einfließen lassen zu können.




    







    









Am vergangenen Dienstag dann ging hier alles drunter und drüber, weil ein Bauarbeiter auf der Straße hinter dem Kloster einen Baggerunfall hatte, bei dem ihm der halbe Fuß abgerissen wurde. Eine der Schwestern, Michael und ich konnten die Erstversorgung übernehmen und dann wurde er gleich von seinen Kollegen im Privatauto auf der Rücksitzbank ins Krankenhaus gefahren. War schon aufregend!

Momentan ist er in Italien zur OP und hat so wenigstens die Chance auf eine angemessene medizinische Versorgung. Die Krankenhäuser in Albanien dagegen sind eine Katastrophe. Sogar die "Buschambulanz" im Kloster ist besser ausgestattet und vor allem das Personal weitaus besser geschult. Dazu lässt das schlecht ausgebildete und mies bezahltes Personal in den Krankenhäusern die Korruption perverse Ausmaße annehmen. Nicht nur die Ärzte halten hier die Hand auf, bevor sie einen Patienten behandeln. Selbst den Pförtner muss man bestechen sonst kommt man weder als Patient noch als Besucher überhaupt erst aufs Krankenhausgelände. Je schlechter es den Patienten geht umso besser - dann wird aus lauter Verzweiflung bereitwillig eben auch mehr bezahlt.

Hinzu kommt, dass das albanische Gewohnheitsrecht, der Kanun, nicht einmal vor der medizinischen Versorgung halt macht. Die unter albanischen Verhältnissen eventuell notwendige Amputation gegen den Willen "unseres Patienten" und seiner Familie würde die Ärzte der Blutrache aussetzen und ihr Leben gefährden. Aus Angst vor der Familie haben die Ärzte deshalb in zwei Krankenhäusern in Shkoder und in der Hauptstadt Tirana die Verantwortung für eine OP nicht übernehmen wollen und haben den armen Kerl stattdessen zwei Tage lang fast unversorgt liegen gelassen, bis ihn sein eigener Onkel dann schließlich nach Italien gebracht hat. Eine Amputation würde ihn zum Krüppel werden lassen und das wäre schlimmer als der Tod, wurde uns versichert. Wenn er Glück hat überlebt er das Ganze nun und vielleicht muss ihm in Italien nicht einmal sein Fuß amputiert werden. Hoffentlich.


Freitag haben wir wiederholt eine Patientin besucht, die vor ca. 6 Monaten durch einen Sturz einen Teilquerschnitt erlitten hat und die Michael noch einmal angeleitet hat, wie sie ihre Muskulatur und Mobilität trainieren kann. Für Sie wollen wir einen Toilettenrollstuhl und einen mobilen Galgen für ihr Bett spenden. Mit hartem Training und eisernem Willen, den Lilly hat, kann sie so den Alltag vielleicht wieder etwas besser meistern und braucht nicht für jeden Handgriff die Hilfe ihrer Tochter, die extra die Schule aufgeben musste, um ihre Mutter zu pflegen.

Und schließlich zum Beginn der diesjährigen Sommerpause haben die Erzieher und die beiden deutschen Praktikanten Anja und Johannes eine Stadtrallye mit den Jugendlichen organisiert, die mit einem historischen Theaterstück auf der Burg Rozafa oberhalb von Shkoder und einem Picknick unter freiem Himmel ins große Finale gegangen ist. Michael ist seiner neuen Aufgabe als Klosterfotgraf nachgekommen und hat alles in Bild und Film festgehalten. Inklusive der von Johannes auf der Trompete gespielten albanischen Nationalhymne vor untergehender Sonne :-)




    
    
Besuch in der großen Moschee von Shkoder. Für die meisten der christlichen Jugendlichen war es das erste Mal






    


Aufführung der Legende von Rozafa vor historischer Kulisse



    

    
Anschließendes Picknick auf der Burg Rozafa oberhalb von Shkoder






Johannes spielt die Hymne Albaniens

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Die Sieger der Stadtrallye




Jetzt ist Sommerpause !



Mit den "Blutrachejungs" ging es zum Jahresabschluß noch ins Museum und zum Eisessen

    

    

    


Abraham und Johannes



Im Eiscafé




Diese Woche nun hat der Kindergarten geschlossen und die meisten der Kids verbringen mit ihren Familien den heißesten Monat des Jahres in den Bergen. Auch die Schwestern machen dann eine kleine Pause und tanken wieder neue Energie in ihrem Heimatkloster in der Schweiz.


Ihr merkt schon, ich kann kaum aufhören zu erzählen. Es passiert jeden Tag unglaublich viel. Albanien fasziniert uns, weil die Menschen dieses wunderschönen Landes unsere Herzen im Sturm erobert haben und es auf der anderen Seite doch so viele Probleme gibt. Die medizinischen Zustände, die Blutrache zwischen den Sippen, Zwangsehen, häusliche Gewalt und die unfassbare Korruption lassen uns manchmal nur die Köpfe schütteln.

Aber Albanien hat uns gepackt. Bereits im kommenden Winter werden wir hierher zurückkehren, um im Kloster zu leben und zu arbeiten. Genauso hatten wir uns Travel 'n' Aid erhofft ! Momentan lernen wir ein wenig die Sprache, die doch noch sehr fremd klingt. Aber es geht schon.




Vor unserer Abreise geht's mit Edi  noch zum "Tanken"




Mirupafshim und bis bald

Eure TaMara & Michael
















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